Mountainbiken

Hodenprobleme durch Mountainbiken

Wissenschafter der Universitätsklinik Innsbruck (F. Frauscher, A. Klauser, A. Stenzl et al.) untersuchten in einer Studie den Skrotalinhalt (Hoden und Nebenhoden) bei Extrem-Mountainbikern mittels hochauflösender Sonographie(Ultraschall).

31 gesunde Probanden und 45 Extrem-Mountainbiker wurden untersucht. Für die Ultraschalluntersuchungen kam ein Linearschallkopf mit einer Frequenz von 8.0 MHz (Acuson, Sequoia 512) zum Einsatz. Die sonographischen Befunde bei den Extrem-Mountainbikern wurden mit denen der nicht mountainbikenden Probanden verglichen.

43 von 45 Mountainbikern (96%) und 5 von 31 Probanden (16%) zeigten pathologische Veränderungen im Skrotalinhalt. Skrotholithen wurden bei 38 (84%), Spermatocelen bei 22 (49%), intratestikuläre Verkalkungen bei 20 (44%), Nebenhodenverkalkungen bei 17 (38%), Hydrocelen bei 17 (38%), Varicocelen bei 4 (9%) Extrem-Mountainbikern und eine testikuläre Mikrolithiasis (2%) bei einem Extrem-Mountainbiker festgestellt. Bei den 5 Probanden wurde eine Spermatocele diagnostiziert.

Extrem-Mountainbiker zeigten eine signifikant höhere Frequenz von pathologischen Veränderungen im Skrotalinhalt im Vergleich zu den gesunden Probanden. Etwa die Hälfte der Biker zeigte Symptome im Rahmen der klinischen Untersuchung.

Trotzdem empfehlen die Wissenschafter, dass Männer weiterhin Rad fahren sollen. Insgesamt würden die positiven gesundheitlichen Aspekte überwiegen. Die Ergebnisse der Studie ließen sich nur bedingt auf den durchschnittlichen Radfahrer umlegen, das es sich bei den Teilnehmern nicht um Extremsportler die täglich bis zu zwei Stunden und sechs Tage die Woche ihrem Sport nachgingen, handelte.

Freizeitradler wurden nicht untersucht, es scheint das Risiko jedoch nicht erhöht. Trotzdem haben die Wissenschafter vor allem die Skrotolithen überrascht. Diese würden durch wiederholte minimal Traumen verursacht. Die Entwicklung einer Impotenz scheint durch das Mountainbiken möglich – es sind hier jedoch genauso Rennradfahrer betroffen. Freizeitradler sind weniger gefährdet. In weiteren Studien soll geklärt werden, ob die Skrotolithen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.

Zur Vermeidung der Skrotolithen-Entstehung raten die Wissenschafter, regelmäßig Pausen einzulegen, da beim Rad fahren die versorgenden Blutgefäße des Penis eingedrückt werden. Frühere Studien zeigen, dass die Sauerstoffsättigung im Penis bereits nach kurzer Zeit abnimmt. Deshalb empfehlen die Wissenschafter, mindestens jede Stunde für fünf Minuten eine Pause einzulegen, oder wenigstens aus dem Sattel steigen, um die Blutgefäße, aber auch die Nerven zu entlasten. Gepolsterte Radhosen und auch ergonomisch geformte Sättel können unter Umständen helfen. Unter medizinischen Gesichtspunkten sollte man zu einem vollgefederten Fahrrad (Full-suspension bike) greifen, welches die Stöße besser abfedert. Doch nicht jedes gefederte Fahrrad ist auch gut. Wenn man den Sport betreiben möchte, sollte man auf entsprechende Qualität setzen, die sich oft im 20.000 – 30.000 OES-Bereich für ein Rad bewegt. Ein weitere Hilfe sind Sattelstuetzenfederungen. Damit kann man auch das Ausmaß der Schläge und Erschütterungen vermindern. Sicher sind hier wieder hochwertige Produkte, welche nicht nachschwingen, zu verwenden.

Es gibt bereits Studien, die zeigten, dass es auch bei Frauen im Bereich der Geschlechtsorgane zu Durchblutungsstörungen kommen kann. Es ist jedoch fraglich, ob es auch zu Verkalkungen kommt. Es wäre theoretisch möglich, dass der Schamlippenbereich betroffen ist. Jedenfalls hat man das bei Rodeoreiterinnen in den USA festgestellt. Die Ergebnisse sind aber nicht mit Mountainbiken vergleichbar.